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Erfassung des Steinkauzes im Kreis Gütersloh und in der Stadt Bielefeld 2023
02.07.2024

In der aktuellen Roten Liste der gefährdeten Brutvogelarten NRW (Sudmann et al. 2021) ist der Steinkauz weiterhin in die Kategorie 3 (gefährdet) eingeordnet worden. 

Er gilt in NRW als mittelhäufige Art und sein Langzeittrend ist durch einen mäßigen bis starken Rückgang gekennzeichnet. 

Aus der ADEBAR-Kartierung 2005 - 2009 ging eine Bestandschätzung von 5200 - 5700 Revieren hervor (Grüneberg et al. 2013).

Neuere Angaben enthält ein Artikel in der Zeitschrift „Charadrius“, in dem 4800 bis 5200 Brutpaare angegeben werden (Grüneberg et al. 2021).


Ein Steinkauz in einer Obstwiese in Borgholzhausen. (Bild: B. Walter)

Ohne die Hilfe von ehrenamtlichen Mitarbeitern sind großflächige Erfassungen nicht durchführbar. Seit vielen Jahren engagieren sich zahlreiche Personen für den Vogelschutz in unserer Region. Bei der Wiesenvogelkartierung 2023 erhielt die Biologische Station Unterstützung durch 15 MitarbeiterInnen. Die Vorbereitung und die Koordination der Kartierung erfolgten durch die Biologische Station.

Bei allen beteiligten ehrenamtlichen Naturschützern möchten wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken!

Das Untersuchungsgebiet ist ca. 1226 km2 groß und setzt sich zusammen aus dem Kreis Gütersloh (ca. 968 km2) und dem Stadtgebiet von Bielefeld (258 km2).

Die Erfassung wurde überwiegend im Zeitraum Februar bis Anfang April 2023 durch­geführt. Einige Bearbeiter konnten später im Jahr bei der Reinigung bzw. Kontrolle von Nisthilfen neue oder ergänzende Informationen sammeln.

Den Mitarbeitern wurden Karten zur Verfügung gestellt, auf denen frühere Steinkauz-Reviernachweise markiert waren. Innerhalb der Erfassung wurde von der Mehrzahl der Kartierer mit einer Klangattrappe oder einer Lockpfeife gearbeitet. Dafür wurde eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde eingeholt.


Ergebnisse

Bei der Erfassung im Jahr 2023 wurden insgesamt 220 Reviere im Kreis GT und 4 Reviere in der Stadt BI festgestellt.




Die aktuelle Zählung des Steinkauzes zeigt im Kreis Gütersloh einen Rückgang des Bestandes um ca. 11% gegenüber der letzten vollständigen Zählung im Jahr 2017. Im Jahr 2020 konnte nur eine lückenhafte Erfassung durchgeführt werden.

Bezogen auf die Brutpaarzahlen in den Kommunen hat es einige Veränderungen gegeben. Früher belegten Rietberg, Langenberg und Rheda-Wiedenbrück immer die ersten Plätze in der Rangordnung. Die Stadt Gütersloh weist seit 2017 höhere Brutpaarzahlen auf und belegt aktuell den zweiten Platz hinter Rietberg. Gleichzeitig nimmt der Steinkauz auch im Raum Verl zu.

Gegenüber der Erfassung 2017 sind Zunahmen in acht und Abnahmen in vier Kommunen eingetreten. Die Abnahmen in Rietberg, Langenberg, Rheda-Wiedenbrück und Borgholzhausen summieren sich insgesamt auf 41 Reviere und dies erklärt auch den Rückgang des Gesamtbestandes. Die sehr erfreulichen Zunahmen in den anderen Gebieten fallen dagegen nicht so stark ins Gewicht, da es sich nur um insgesamt 17 zusätzliche Paare handelt. Nur in Werther hat sich keine Veränderung ergeben, aber dort ist lediglich ein einziges Revier bekannt.

In Bielefeld bleibt der Steinkauz-Bestand mit 4 Nachweisen 2020 und 2023 auf einem stabilen Niveau, aber gegenüber 2017 sind zwei Reviere weniger gezählt worden. Alle Nachweise erfolgten im Raum Ummeln-Holtkamp, d.h. im Südwesten des Stadtgebietes. Dort erstreckt sich der Landschaftsraum „Ostmünsterland“ in das Bielefelder Stadtgebiet hinein. Der Senner-Raum und das „Ravensberger Hügelland“ werden in Bielefeld vom Steinkauz aktuell nicht besiedelt.


Das Verbreitungsbild des Steinkauzes hat sich im Untersuchungsgebiet in den letzten Jahren leicht verändert.

Die Zunahmen in Verl und im Nordosten der Stadt Gütersloh sind Anzeichen einer Ausdehnung des besiedelten Raumes nach Nordosten. 
 

Insgesamt weitet sich das Verbreitungsgebiet durch einzelne Nachweise abseits der bisher bekannten Reviere langsam aus, z.B. in Versmold und Harsewinkel.

Allerdings hat Bielefeld bislang von dieser Entwicklung noch nicht profitiert.


Ein Steinkauz versteckt sich in einer Kopfweide. (Bild: C. Quirini-Jürgens)

Sehr interessant sind die 3 Nachweise nördlich des Teutoburger Waldes in Borgholzhausen und Werther, wo bislang nur ein einzelnes, nicht regelmäßig besetztes Revier bekannt war.  Hier sind zwei Erklärungen möglich, denn auch nördlich des Kreises Gütersloh gibt es Steinkauz-Vorkommen im Landkreis Osnabrück und in Herford. Haben sich dort die Reviere nach Süden verlagert oder sind die Steinkäuze aus dem Kreis Gütersloh nach Norden gewandert?

Bemerkenswert ist die Abnahme des Steinkauzes in Borgholzhausen am Südrand des Teutoburger Waldes. Hier hatte sich der Bestand von 5 bis 7 (1999 bis 2005) auf 8 bis 11 Reviere (2008 bis 2020) erhöht. Durch den Bau der Autobahn 33 wurden aber einige Reviere beeinträchtigt und eine Reihe von Ausgleichsmaßnahmen wurden speziell zum Schutz des Steinkauzes durchgeführt bzw. initiiert. Dennoch ist genau in den autobahnnahen Vorkommen nun ein deutlicher Rückgang zu beobachten. Mehrere Brutvorkommen im Bereich der Autobahntrasse sind offensichtlich erloschen. Die Eröffnung der Autobahn fand am 18.11.2019 statt. Im Jahr 2020 konnten noch die bekannten Steinkauz-Paare nachgewiesen werden, d.h. der Bestandseinbruch erfolgte in den letzten 3 Jahren. Borgholzhausen ist die einzige Gemeinde im Norden des Kreises Gütersloh, wo es einen Bestandseinbruch gegeben hat.

Als Maximalwerte für die Siedlungsdichte werden in Rietberg 0,72 und in Langenberg 0,65 Steinkauzpaare pro Quadratkilometer erreicht. Bezogen auf die Fläche des Kreises Gütersloh ergibt sich ein Wert von 0,23 Paare/km². In Bielefeld wird dagegen eine Dichte von 0,02 Paaren/km² erreicht. Vergleiche mit Werten aus der Literatur zeigen, dass wir in Teilregionen noch sehr gute Steinkauzbestände vorfinden.

 

Diskussion

Der Steinkauz hat in Deutschland seinen Verbreitungsschwerpunkt in Nordrhein-Westfalen. Leider zeigt der kleine Kauz aber seit einigen Jahren landesweit eine abnehmende Tendenz (Franke & Jöbges 2018, Sudmann et al. 2023). Die Ergebnisse der Kartierungen im Kreis Gütersloh (GT) und in der Stadt Bielefeld (BI) zusammen bestätigen den negativen Trend. Bei den Bestandszahlen im Kreis GT wurde aktuell etwa das Niveau des Jahres 2008 erreicht. Gegenüber 2017 sind etwa 11% weniger Nachweise gemeldet worden. In der Stadt Bielefeld konnten von 6 Revieren 2017 zuletzt jeweils 4 bestätigt werden (2020 und 2023).

Insgesamt ist die Entwicklung etwas uneinheitlich, denn in den einstigen Schwerpunktgebieten im Süden des Kreisgebietes zeigen sich deutliche Rückgänge und in anderen Regionen taucht der Steinkauz dagegen an diversen neuen Standorten auf. Insgesamt ist also eine gleichmäßigere Verteilung in der Fläche zu beobachten, aber es gibt auch noch viele unbesiedelte Bereiche.

 

Bedenklich ist der Rückgang der Revierzahlen im Bereich der Autobahn 33 in Borgholzhausen. Dort sind von den sieben Paaren, die im Umfeld der Autobahn 2020 noch vorkamen (max. 1200 Meter Abstand), aktuell nur noch zwei Paare bestätigt worden. Und diese beiden Reviere lagen mit 750 bzw. 1200 Metern relativ weit entfernt von der Autobahntrasse. Da es in den angrenzenden Gemeinden Versmold und Halle keinen starken Einbruch bei den Steinkauz-Beständen gegeben hat, ist ein Zusammenhang mit der Autobahn, die seit 2019 im Abschnitt Borgholzhausen in Betrieb genommen wurde, als mögliche Ursache anzusehen.

Der Straßenverkehr stellt für den Steinkauz eine große Gefahr dar. Nieuwenhuyse et al. (2008) geben an, dass von je 100 aufgefundenen toten Steinkäuzen zwischen 34 (Belgien, 2001) und 50 (Großbritannien, 1991–1996) überfahren wurden.

 Eine große Bedeutung für den Steinkauz in unserer Region haben Nistkasten-Aktionen, die in verschiedenen Bereichen durchgeführt werden. Wir danken allen Unterstützern des Steinkauzes in Gütersloh und Bielefeld für ihre Arbeit und ihr Engagement für diese Art!



Literatur

Grüneberg, C., P. Herkenrath & M. Jöbges (2021): Aktuelle Bestandssituation der Brutvögel Nordrhein-  Westfalens. – Charadrius 57 (3-4), 2021 (2023): 131-164. 

Grüneberg, C., S.R. Sudmann sowie J. Weiss, M. Jöbges, H. König, V. Laske, M. Schmitz & A. Skibbe (2013): Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens. NWO und LANUV (Hrsg.), LWL-Museum für Naturkunde, Münster. 

Sudmann, S.R, M. Schmitz, C. Grüneberg, C., P. herkenrath, M. M. Jöbges, T. Mika, K. Nottmeyer, K. Schidelko, W. Schubert & D. Stiels (2021) Rote Liste der Brutvogelarten Nordrhein-Westfalens, 7. Fassung, Stand: Dezember 2021. – Charadrius 57 (2021, publiziert im November 2023), Heft 3-4: 75-130.

Nieuwenhuyse, D. van, J.-C. Génot, D. H. Johnson (2008): The Little Owl – Conservation, Ecology and Behavior of Athene noctua. Cambridge University Press, Cambridge 2008, ISBN 978-0-521-88678-9.

Püchel-Wieling, F. und B. Walter (2003): Verbreitung und Bestand des Steinkauzes (Athene noctua) im Kreis Gütersloh und der Stadt Bielefeld. Ber. Naturwiss. Verein für Bielefeld und Umgegend 43 (2003): 367-383.





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