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Feldvogelschutz mit Monitoring
27.01.2022
Bild: H. Glader
Die Biologische Station Gütersloh / Bielefeld e.V. führt seit 2005 ein Feldvogel-Monitoring in Werther-Arrode durch. Besonderes Augenmerk bekommt dabei die Feldlerche, denn bei dem Erfassungsgebiet handelt sich um eins der wenigen Schwerpunktgebiete im Kreis Gütersloh, in dem die vom Aussterben bedrohte Feldlerche noch mit mehreren Brutpaaren vorkommt. Es liegt hier also eine besondere Verantwortung vor, die Art in unserer Region zu erhalten.
Allgemeine Informationen

Feldvogelschutz und Monitoring

Projektpartner:

Biologische Station Gütersloh/Bielefeld
Ansprechpartnerin: Conny Oberwelland

Untere Naturschutzbehörde vom Kreis Gütersloh


Flächenbewirtschafter aus Werther und Borgholzhausen












Gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde und den bewirtschaftenden Landwirten setzt sich die Biologische Station für den Erhalt des Charaktervogels der offenen Kulturlandschaft ein: 

Mit der Umsetzung gezielter Schutzmaßnahmen sollen die Bestände der Feldlerchen stabilisiert und gefördert werden. 

Begleitend zu den kleinflächigen Lebensraumverbesserungen werden Erfassungen durchgeführt, um die Dokumentation der Entwicklung der Feldlerchenbestände fortzuführen. Überdies wird dadurch die Effizienz der Maßnahmen überprüft.

Neue Vereinbarungen von den Projektpartnern wurden in Werther 2019 und in Borgholzhausen 2021 getroffen.


Veröffentlichungen:

Natur in NRW, Nr. 3/2009 (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen) 

Zeitschrift "Vögel", Ausgabe 2/2011


Es war die Nachtigall und nicht die Lerche  wer kennt es nicht, das Zitat aus Shakespeares „Romeo und Julia“?

Die Feldlerche (Alauda arvensis) gilt seit jeher als der Verkünder des Morgens. Mit ihrem prägnanten Gesang versuchen die Männchen den Weibchen zu imponieren und markieren ihre Brutreviere.

Ursprünglich ist die Feldlerche ein Steppenvogel, der bei uns als so genannter "Kulturfolger" Grünland- und ackerbaulich genutzte Flächen mit dünnem und niedrigem Bewuchs besiedelt. Ihre Nester legt sie auf dem Boden an.



Die Feldlerche nutzt gern Pfähle als Singwarte. (Bild: B. Walter)

      Die Lerche ist ein Bodenbrüter und verwendet nur wenig Nistmaterial für ihr Gelege. (Bild: M. Jenny)


Einst war die Feldlerche eine unserer häufigsten Feldvogelarten. Noch vor 60 Jahren erreichte die Feldlerche sehr hohe Brutpaardichten auch auf den Ackerflächen in Ostwestfalen. 

Ebenso wie in vielen Gebieten Mitteleuropas sind seitdem aber gravierende Bestandseinbrüche zu verzeichnen; in den letzten vier Jahrzehnten in einigen Regionen mit dramatischem Verlauf. 

In der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten in NRW von 2016 wird die Feldlerche in der Kategorie „3S“ geführt (GRÜNEBERG et. al 2016). Es handelt sich also um eine gefährdete Art, für die ohne bereits durchgeführte Schutzmaßnahmen eine höhere Gefährdung zu erwarten ist.


Ursachen für die zunehmende Gefährdung sind neben dem reinen Flächenverlust die einschneidenden Veränderungen in der Landbewirtschaftung.

Zu nennen sind hier vor allem die deutlich intensivierte Bodennutzung, wie Frühsaat und Frühernten, die Einstellung der Vielfelderwirtschaft, der erhöhte bzw. gezielte Einsatz von Pestiziden, das Ausbringen von Gülle, Flächenzusammenlegung im Rahmen der Flurbereinigung sowie eine stark intensivierte Grünlandwirtschaft.




Der einstige Steppenvogel wird als "Kulturfolger" bezeichnet, da er sich bei uns mit der Kultivierung der Flächen durch den Menschen angesiedelt hat. (Bild: H. Glader)

Im Kreis Gütersloh haben wir wenige Schwerpunktbereiche, wo die Feldlerche noch mit mehreren Brutpaaren vorkommt.
Ein 345 ha großes Gebiet befindet sich in Werther-Arrode.

Es ist charakterisiert durch eine sanft hügelige Landschaft, die durch Siektäler gegliedert wird.

Aufgrund seiner fruchtbaren Lößlehmböden wurden die höher gelegenen Flächen schon früh für den Ackerbau genutzt. 

Heute ist die bewirtschaftete Kulturlandschaft geprägt durch einen hohen Wintergetreideanteil. 

Der Maisanbau nimmt im Vergleich zu anderen Agrarlandschaften noch relativ wenig Fläche ein. Als Grünland werden hauptsächlich die tiefer gelegenen Siektäler genutzt. 


Ein zweites Schwerpunktgebiet befindet sich in Borgholzhausen-Berghausen/-Kleekamp.

Es liegt unmittelbar unterhalb des Teutoburger Waldes und zeichnet sich durch einen kalkhaltigen Lößlehmboden mit relativ hohem Steinanteil aus.









In Werther gibt es noch zahlreiche Graswege, von denen die Feldvögel bei ihrer Nahrungssuche profitieren.  (Bild: C. Oberwelland)


Auch in Borgholzhausen wird verhältnismäßig viel Getreide angebaut. Die offenen Bereiche auf den Graswegen werden von den Feldvögeln gern zum Sandbaden genutzt. (Bild: C. Oberwelland)

Biolandwirt Maaß sät große Teilschläge seiner Getreideäcker jedes Jahr in weiter Reihe ein (rechts im Bild) und fördert damit die Feldlerchenpopulation in Werther. (Bild: C. Oberwelland)

Auf dieser Parzelle hat Herr Schröer aus Werther einen Blüh- und Brachestreifen für die Feldvögel angelegt – neben extensiv angebauten Streifen mit Kartoffeln und Hafer. (Bild: C. Oberwelland)

Die Biologische Station hat gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde vom Kreis Vereinbarungen mit Bewirtschaftern von Flächen mit Brutvorkommen der Feldlerchen abgeschlossen. 

Mit Hilfe von kleinflächigen Extensivierungsmaßnahmen sollen die Lebensraumbedingungen für die Feldvögel verbessert werden, um die Bestände zu stabilisieren. 

Die Landwirte säen dazu ihr Getreide in weiter Reihe und verzichten während der Brutzeit auf Düngegaben

Der Feldlerche, die als einstiger Steppenvogel Flächen mit lückigem Aufwuchs benötigen, werden auf diese Weise attraktive Standorte zur Anlage ihrer Bodennester geboten.

Außerdem erfolgt während der Brutzeit keine Beikrautbekämpfung, so dass sich Ackerbegleitkräuter etablieren. Die blütenreichen Kräuter zwischen den Getreidereihen locken zahlreiche Insekten an, die wiederum das Nahrungsangebot der Feldvögel erhöhen.



"Dem auf das Feld ziehenden Bauern bedeutet  eine aufsteigende Lerche Glück." 

(alte Bauernweisheit)



Überdies haben Landbewirtschafter Blüh- und Brachestreifen angelegt, um die Brut- und Nahrungshabitate zu verbessern.


Ergebnisse von dem Monitoring 2021 in Werther


Literatur

Grüneberg, C., S. R. Sudmann, F. Herhaus, P. Herkenrath, M. M. Jöbges, H. König, K. Nottmeyer, K. Schidelko, M. Schmitz, W. Schubert, D. Stiels J. Weiss (2016): Rote Liste der Brutvogelarten Nordrhein-Westfalens, 6. Fassung. Charadrius 52, Heft 1-2: 1-66.




1000 Fenster für die Lerche

Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen hat aufgrund der positiven Erfahrungen der im Feldvogelschutz aktiven Biologischen Stationen das Programm "1000 Fenster für die Lerche" ins Leben gerufen:

Ab dem Frühjahr 2009 wurde die Anlage von Lerchenfenstern auf Getreideflächen in NRW über einige Jahre finanziell gefördert. 

Im Kreis Gütersloh und im Stadtgebiet Bielefeld war die Biologische Station Ansprechpartner für das Projekt. Im Jahr 2021 haben wir eine Untersuchung zu der Effizienz der Lerchenfenster mit Hilfe von Wildkameras durchgeführt: 

Blick in die Lerchenfenster

Eine Veröffentlichung vom Dachverband der Biologischen Stationen und vom LANUV ist in Natur in NRW 1/2011 erschienen (zu lesen auf der Plattform Researchgate).

Ansprechpartnerin: Conny Oberwelland





Kontakt
Anschrift
Biologische Station Gütersloh/Bielefeld
Niederheide 63,
33659 Bielefeld

Tel.: 05209 / 980101
Fax: 05209 / 980102

E-Mail
info(at)biostationgt-bi.de