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Wiesenvogelkartierung 2016 - Der Kiebitz und der Austernfischer im Kreis Gütersloh und in der Stadt Bielefeld
09.12.2019

Die Erfassung von Kiebitz und Austernfischer im Jahr 2016 stellt bereits die neunte kreisweite Kartierung dieser beiden Arten seit 1991 dar. Besonders der bei uns noch eine weite Verbreitung aufweisende Kiebitz kann nur über die Hilfe ehrenamtlicher MitarbeiterInnen erfasst werden. Bei der Wiesenvogelkartierung 2016 beteiligten sich insgesamt 23 Personen an der Erfassung. Die Biologische Station übernahm die Organisation und Koordination des Projektes, führte die Erfassungen in den Feuchtwiesenschutzgebieten und in den nicht von ehrenamtlichen Mitarbeitern abgedeckten Gebieten durch.

Der Kreis Gütersloh und die Bezirksregierung Detmold unterstützten die Arbeit finan¬ziell.

Für ihren Beitrag zur Wiesenvogelkartierung 2016 möchten wir allen Beteiligten herzlich danken!Im Jahr 2013 wurden im Rahmen der Wiesenvogelkartierung eine Bestandserfassung des Kiebitzes und des Austernfischers im Kreis Gütersloh und der Stadt Bielefeld durchgeführt. Zusammen mit der ersten kreisweiten Erfassung dieser Arten im Jahr 1991 liegen nun Ergebnisse von insgesamt 8 Kartierungen vor, die einen Zeitraum von 23 Jahren abdecken. Nur aus wenigen Regionen gibt es vergleichbare langfristige Daten zur Bestandsentwicklung dieser Wiesenvogelarten. Ohne die Hilfe ehrenamtlicher Kartierer wären diese Erfassungen nicht möglich gewesen.

Bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möchten wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken!


Der Kiebitz

In den 13 Städten und Gemeinden des Kreises Gütersloh wurden im Untersuchungszeitraum 2016 insgesamt 637 Kiebitzpaare gezählt. Der Vergleich mit den Ergebnissen aus dem Jahr 2013 zeigt einen Rückgang des Bestandes um ca. 15%. Knapp 61% des Gesamtbestandes brüten in den vier Gemeinden Harsewinkel, Rietberg, Rheda-Wiedenbrück und Herzebrock-Clarholz. Erstmals wurde in Harsewinkel mit 116 Brutpaaren (Bp) die höchste Anzahl an Kiebitzpaaren ermittelt und Rietberg (108 Bp) auf den zweiten Platz verwiesen. Es folgen Rheda-Wiedenbrück mit 84 und Herzebrock-Clarholz mit 81 Bp. In der Abbildung werden diese Gemeinden zusammen mit Versmold (59 Bp) und Gütersloh (55 Bp) der Klasse 52 bis 100 Paare zugeordnet. Unter 10 Brutpaare konnten in Schloß Holte-Stukenbrock (4 Bp) und Borgholzhausen (6 Bp) gezählt werden, wo die Zahlen nach zwischenzeitlichem Anstieg seht stark zurückgegangen sind. Ähnlich verlief die Bestandsentwicklung in Werther, wo der Kiebitz aktuell ausgestorben ist. Im Süden und Westen des Kreises Gütersloh finden wir noch größere Bestände und nach Norden und Nordosten wird der Kiebitz deutlich seltener. In Bielefeld siedelten sich 24 Paare des Kiebitzes an.

                  Der Kiebitz im Kreis Gütersloh und der Stadt Bielefeld 1991 bis 2016

Bei Betrachtung der prozentualen Zu- bzw. Abnahmen in den einzelnen Kommunen fallen fünf Gemeinden (Werther, Bielefeld, Schloß Holte-Stukenbrock, Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück) mit starken Rückgängen >25 % ins Auge neben drei weiteren Gemeinden mit einem Kiebitzschwund von 10 bis 25% (Versmold, Halle, Rietberg). Bestandsveränderungen im Rahmen von plus/minus 10% wurden als „konstant“ eingestuft, da in der Natur leichte Schwankungen die Regel sind. Allerdings liegen für die beiden in grau dargestellten Kommunen Harsewinkel und Langenberg die Schwankungen ebenfalls im negativen Bereich, so dass in 10 von 14 Kommunen Abnahmen zu verzeichnen sind. Nur vier Gemeinden zeigen durch die grüne Farbe eine Zunahme des Bestandes an, wobei es sich hierbei fast nur um Gemeinden mit insgesamt geringeren Brutpaarzahlen handelt. Letztlich führen die Abnahmen in den dichter besiedelten Gebieten zum deutlichen Rückgang des Gesamtbestandes um 15 Prozent. Die Zunahmen betreffen nur wenige Paare und spielen insgesamt keine Rolle. In Steinhagen konnten an zwei Stellen größere Kolonien entdeckt werden und dies führte zu der deutlichen Steigerung des Bestandes um mehr als 25%. Ein Vergleich der aktuellen Ergebnisse mit dem Jahr 2010 würde zu einer komplett roten Karte führen!

In Bielefeld wurden nördlich des Teutoburger Waldes 4 Paare im Bereich Bielefeld-Brake (Tödtheide), 2 Paare südlich von Deppendorf und 2 Paare in Babenhausen gezählt. Im Südteil von Bielefeld brüteten insgesamt 16 Paare zwischen Ummeln-Holtkamp und Senne-Windelsbleiche. Der Rückgang des Kiebitzes in Bielefeld liegt bei exakt 30 Prozent gegenüber dem Jahr 2013.

Bestände des Kiebitzes (Anzahl der Brutpaare) im Kreis Gütersloh und in der Stadt Bielefeld 2016

Bei Betrachtung der prozentualen Zu- bzw. Abnahmen in den einzelnen Kommunen fallen fünf Gemeinden (Werther, Bielefeld, Schloß Holte-Stukenbrock, Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück) mit starken Rückgängen >25 % ins Auge neben drei weiteren Gemeinden mit einem Kiebitzschwund von 10 bis 25% (Versmold, Halle, Rietberg). Bestandsveränderungen im Rahmen von plus/minus 10% wurden als „konstant“ eingestuft, da in der Natur leichte Schwankungen die Regel sind. Allerdings liegen für die beiden in grau dargestellten Kommunen Harsewinkel und Langenberg die Schwankungen ebenfalls im negativen Bereich, so dass in 10 von 14 Kommunen Abnahmen zu verzeichnen sind. Nur vier Gemeinden zeigen durch die grüne Farbe eine Zunahme des Bestandes an, wobei es sich hierbei fast nur um Gemeinden mit insgesamt geringeren Brutpaarzahlen handelt. Letztlich führen die Abnahmen in den dichter besiedelten Gebieten zum deutlichen Rückgang des Gesamtbestandes um 15 Prozent. Die Zunahmen betreffen nur wenige Paare und spielen insgesamt keine Rolle. In Steinhagen konnten an zwei Stellen größere Kolonien entdeckt werden und dies führte zu der deutlichen Steigerung des Bestandes um mehr als 25%. Ein Vergleich der aktuellen Ergebnisse mit dem Jahr 2010 würde zu einer komplett roten Karte führen!

Veränderungen des Kiebitzbestandes zwischen 2013 und 2016 im Kreis Gütersloh und in der Stadt Bielefeld

In Bielefeld wurden nördlich des Teutoburger Waldes 4 Paare im Bereich Bielefeld-Brake (Tödtheide), 2 Paare südlich von Deppendorf und 2 Paare in Babenhausen gezählt. Im Südteil von Bielefeld brüteten insgesamt 16 Paare zwischen Ummeln-Holtkamp und Senne-Windelsbleiche. Der Rückgang des Kiebitzes in Bielefeld liegt bei exakt 30 Prozent gegenüber dem Jahr 2013.

Der Austernfischer

Im Rahmen der Wiesenvogelkartierungen wird seit 1991 der Austernfischer zusammen mit dem Kiebitz erfasst. Die Bestandsentwicklung seit 1991 ist nicht für jedes Jahr dokumentiert, aber es hat offenbar ein leichter Anstieg der Brutpaarzahlen von vorher 4-5 auf 7 Paare im Jahr 1995 stattgefunden. Seitdem sind Schwankungen zwischen 7 und 10 Revieren aufgetreten. Bei der Kartierung 2013 konnten 12 Paare und 2016 insgesamt 9 Paare im Kreis GT nachgewiesen werden. Der Brutbestand ist demnach weiterhin als stabil einzustufen.

Das Verbreitungsbild des Austernfischers hat sich nur leicht verändert. Ein Schwerpunkt liegt im Grenzbereich von Versmold und Harsewinkel (3 Paare) und im Rietberger Gebiet (2 Paare). Zudem wurden 2 Paare in Rheda-Wiedenbrück und 1 Paar in der Stadt Gütersloh entdeckt. Auch auf dem Flugplatz Gütersloh wurden bei der Kartierung der Avifauna mehrfach Austernfischer beobachtet, die aber aus dem Umfeld zugeflogen waren. Es ist hier ein Brutpaar im Randbereich des Flugplatzes in der Emsaue anzunehmen.

Leider liegt nur eine Beobachtung zum Bruterfolg des Austernfischers vor. So konnte ein Paar mit einem flüggen Jungvogel in Rietberg auf dem Schützenplatz entdeckt werden. Vermutlich hat dieses Paar auf dem Flachdach einer angrenzenden Schule gebrütet, aber ein eindeutiger Brutplatz konnte nicht ermittelt werden. Insgesamt hat der Austernfischer mit denselben Problemen zu kämpfen wie der Kiebitz. Frühe Bruten auf Stoppeläckern werden durch die Bearbeitung der Äcker zerstört. Für einen zweiten Brutversuch werden meistens frisch eingesäte Maisäcker besiedelt, wo die Gelege leicht von Prädatoren gefunden werden oder mit dem Aufwachsen der Maispflanzen überwuchert und verlassen werden.

      Veränderung des Brutbestandes beim Austernfischer im Kreis Gütersloh  1991 bis 2016

Jahr
Brutpaare
1991
     5
1995
     7
1998
    10
2001
     8
2004
     8
2007
     7
2010
     9
2013
   12
2016
     9


Nach Glutz von Blotzheim, Bauer & Bezzel (1975) hat die auffällige Besiedlung des Binnenlandes etwa um 1950 begonnen. Dabei erfolgte die Ausbreitung entlang der größeren Flüsse (Ems, Weser). Dies ist auch heute noch zu erkennen, denn die Mehrzahl der Brutpaare des Kreises Gütersloh wurde im Umfeld eines größeren Fließgewässers (Ems, Hessel, Wapel) nachgewiesen. In Westfalen siedelten sich die ersten Austernfischer 1942 an (Peitzmeier 1979). Der erste sichere Brutnachweis des Austernfischers für den Kreis Gütersloh geht auf das Jahr 1990 zurück (Naturschutz-Zentrum Ostwestfalen 1990). Für ganz NRW wird ein Bestand von 400 bis 600 Brutpaaren angenommen (Grüneberg und Sudmann et al. 2013). Die Vorkommen im Kreis GT befinden sich in extremer Randlage zu den dichteren Beständen im Westen von NRW (Niederrhein, Borken, Steinfurt).

Literatur

Glutz von Blotzheim, U.N, Bauer, K.M. & E. Bezzel (1975): Handbuch der Vögel Mitteleuropas 6, 840 S., Akademische Verlagsgesellschaft Wiesbaden.

Grüneberg, C., S.R. Sudmann sowie J. Weiss, M. Jöbges, H. König, V. Laske, M. Schmitz & A. Skibbe (2013): Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens. NWO & LANUV (Hrsg.), LWL-Museum für Naturkunde, Münster.

Naturschutz-Zentrum Ostwestfalen e.V. (1990): Wiesenvogelkartierung im Kreis Gütersloh unter besonderer Berücksichtigung der Feuchtwiesenschutzgebiete, Abschlußbericht 1990.

Peitzmeier, J. (1979): Avifauna von Westfalen. 2. unveränderte Aufl. Abh. Westf. Landesmus. Naturkd. Münster 41: 1-576.



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