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Aktuelle Ergebnisse vom Feldvogel-Monitoring in Werther
06.08.2021

Es war die Nachtigall und nicht die Lerche – wer kennt es nicht, das Zitat aus Shakespeares „Romeo und Julia“?

Die Feldlerche gilt seit jeher als der Verkünder des Morgens. Mit ihrem prägnanten Gesang versuchen die Männchen den Weibchen zu imponieren und markieren ihre Brutreviere.

Ursprünglich ist die Feldlerche ein Steppenvogel, der bei uns als so genannter "Kulturfolger" Grünland- und ackerbaulich genutzte Flächen mit dünnem und niedrigem Bewuchs besiedelt. Ihre Nester legt sie auf dem Boden an.



Die Feldlerche nutzt gern Pfähle als Singwarte. (Bild: B. Walter)

      Die Lerche ist ein Bodenbrüter und verwendet nur wenig Nistmaterial für ihr Gelege. (Bild: M. Jenny)

Einst war die Feldlerche eine unserer häufigsten Feldvogelarten. Noch vor 60 Jahren erreichte die Feldlerche sehr hohe Brutpaardichten auch auf den Ackerflächen in Ostwestfalen. 

Ebenso wie in vielen Gebieten Mitteleuropas sind seitdem aber gravierende Bestandseinbrüche zu verzeichnen; in den letzten vier Jahrzehnten in einigen Regionen mit dramatischem Verlauf. 

Die Feldlerche wurde in der Roten Liste von 2016 (Grüneberg et al.) als „gefährdet, von Schutzmaßnahmen abhängig“ eingestuft.



Ursachen für die zunehmende Gefährdung sind neben dem reinen Flächenverlust die einschneidenden Veränderungen in der Landbewirtschaftung.

Zu nennen sind hier vor allem die deutlich intensivierte Bodennutzung, wie Frühsaat und Frühernten, die Einstellung der Vielfelderwirtschaft, der erhöhte bzw. gezielte Einsatz von Pestiziden, das Ausbringen von Gülle, Flächenzusammenlegung im Rahmen der Flurbereinigung sowie eine stark intensivierte Grünlandwirtschaft.




Der einstige Steppenvogel wird als "Kulturfolger" bezeichnet, da er sich bei uns mit der Kultivierung der Flächen durch den Menschen angesiedelt hat. (Bild: H. Glader)

Im Kreis Gütersloh haben wir wenige Schwerpunktbereiche, wo die Feldlerche noch mit mehreren Brutpaaren vorkommt.
Ein 345 ha großes Gebiet befindet sich in Werther-Arrode.

Es ist charakterisiert durch eine sanft hügelige Landschaft, die durch Siektäler gegliedert wird. Aufgrund seiner fruchtbaren Lößlehmböden wurden die höher gelegenen Flächen schon früh für den Ackerbau genutzt. 

Heute ist die bewirtschaftete Kulturlandschaft geprägt durch einen hohen Wintergetreideanteil. Der Maisanbau nimmt im Vergleich zu anderen Agrarlandschaften noch relativ wenig Fläche ein.

Als Grünland werden hauptsächlich die tiefer gelegenen Siektäler genutzt.
  


In Werther gibt es noch zahlreiche Graswege, von denen die Feldvögel bei ihrer Nahrungssuche profitieren. Zudem nutzen die Vögel die offenen Bereiche der Wege zum Sandbaden. (Bild: C. Oberwelland)

Biolandwirt Maaß sät große Teilschläge seiner Getreideäcker jedes Jahr in weiter Reihe ein (rechts im Bild) und fördert damit die Feldlerchenpopulation in Werther. (Bild: C. Oberwelland)

Auf dieser Parzelle hat Herr Schröer aus Werther einen Blüh- und Brachestreifen für die Feldvögel angelegt – neben extensiv angebauten Streifen mit Kartoffeln und Hafer. (Bild: C. Oberwelland)

Die Biologische Station setzt gemeinsam mit den bewirtschaftenden Landwirten gezielte Schutzmaßnahmen zur Förderung der Feldvögel in Werther um. 

Hervorzuheben ist das Engagement vom Biolandhof Maaß, dem „seine“ Lerchen besonders am Herzen liegen.

Herr Maaß hat mit der Biologischen Station und dem Kreis Gütersloh eine Vereinbarung getroffen, sein Getreide auf mindestens 2 Teilschlägen im Feldlerchengebiet extensiv in weiter Reihe anzubauen. Die Bodenbrüter, die eine lückige Vegetation zur Anlage ihrer Neststandorte benötigen, profitieren vom geringerem Aufwuchs.

Während der Brutzeit der Feldvögel verzichtet Herr Maaß auf eine Fehlkrautbekämpfung, so dass sich Ackerbegleitkräuter etablieren. Diese locken mit ihrem Blütenreichtum zahlreiche Insekten an, wodurch wiederum das Nahrungsangebot der Feldvögel erhöht wird. 

Überdies setzten sich auch weitere Bewirtschafter für die Förderung des Ackervogels in Werther ein. Mit Hilfe von kleinflächigen Extensivierungen wie Blüh- und Brachestreifen werden die Brut- und Nahrungshabitate der Feldlerche verbessert.




"Dem auf das Feld ziehenden Bauern bedeutet  eine aufsteigende Lerche Glück." 

(alte Bauernweisheit)



Ergebnisse des Monitorings

Die Biologische Station führt seit 2005 Erfassungen in Werther-Arrode von den Feldvögeln durch.

Im Jahr 2021 wurde eine erfreulich hohe Anzahl mit 29 Brutrevieren der Feldlerche (Alauda arvensis) in Werther-Arrode nachgewiesen. 

Die Zunahme gegenüber dem vorangegangenen Jahr 2020 beträgt 45 %, gegenüber den Jahren 2018 und 2019 sogar über 100 %.

  Tabelle 1: Anzahl der Feldlerchen-Reviere im Untersuchungsgebiet in Werther-Arrode 


Als Ursachen für die Bestandserhöhung können lediglich Vermutung herangezogen werden. Sehr wahrscheinlich ist, dass der Bruterfolg im letzten Jahr sehr hoch gewesen ist. Der einstige Steppenvogel hat offenbar von den außergewöhnlich warmen und niederschlagsarmen Sommern 2019 und 2020 profitiert. 


Bemerkenswert war, dass die umgesetzten Schutzmaßnahmen von den Feldlerchen sowohl zur Anlage ihrer Neststandorte als auch zur Nahrungssuche angenommen wurden.

Es lässt sich schlussfolgern, dass der Bestand der Lerchen mit Hilfe von Extensivierungen gefördert werden kann.



Erfreulich war überdies der Nachweis eines Rebhuhns (Perdix perdix) in einem extensiv bewirtschafteten Grünlandstreifen.
Es ist anzunehmen, dass es verpaar war und in den Sträuchern am Rande der Wiese gebrütet hat.

Das Rebhuhn hat in den letzten Jahren sehr starke Bestandeinbrüche erfahren und wird in der Roten Liste NRW aus dem Jahr 2016 als „stark gefährdet“ eingestuft.


Das Rebhuhn besiedelt offene und strukturreiche Kulturlandschaftsbereiche. (Bild: Frank Püchel-Wieling)

  

   Tabelle 2: Liste der nachgewiesenen Vogelarten in Werther-Arrode im Jahr 2021 

   



Literatur

Grüneberg, C., S. R. Sudmann, F. Herhaus, P. Herkenrath, M. M. Jöbges, H. König, K. Nottmeyer, K. Schidelko, M. Schmitz, W. Schubert, D. Stiels J. Weiss (2016): Rote Liste der Brutvogelarten Nordrhein-Westfalens, 6. Fassung. Charadrius 52, Heft 1-2: 1-66.




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